Markus Nagler

Franz Kafka / Vor dem Eingang zur Hölle

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Franz Kafka / Vor dem Eingang zur Hölle.

Verlassen sind wir doch wie verirrte Kinder im Walde. Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle…

– Aus einem Brief Kafkas an Oskar Pollak, 8.11.1903. –

 

(Mir geht’s gut, das ist das ich hier unter 1.3 gesucht habe. Also, genauer, seit Jahren suche. Bzw. suchte. :-))

Written by markusnagler

Januar 21, 2012 at 12:17 pm

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Knochenmarkspende

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Kurzfassung: Keine große Sache, Schmerz und Aufwand sind ziemlich gering.

Vorlauf: Ich bin seit etwa 15 Jahren registriert, zweimal schien es schon so weit zu sein, jetzt, beim dritten Mal war’s dann wirklich so weit. Nebenbei bemerkt, es ist wirklich clever vom Heidelberger Spenderregister, die entsprechende Prüfung schon vorher durchzuführen. Dadurch konnten sie mir gleich sagen, dass es passt und ich musste nicht erst auf die mögliche Passung hin zu einem Allgemeinarzt, um mir Blut abnehmen zu lassen, das dann nochmal überprüft wird. Nachdem man sich ja aussuchen kann, bei welcher Spenderdatei man sein will … sollte man trotzdem die wohnortnahe nehmen. Wenn ich mich letzten Herbst nicht von Bayern nach Heidelberg umgemeldet hätte, wäre das Ganze in München gemacht worden, und ich hätte extra hinfahren müssen (Fahrtkosten, wie überhaupt alle Auslagen, würden natürlich erstattet).

Am 12.09. war dann die Voruntersuchung: Blut, Urin, EKG, Ultraschall, eine allgemeinärztliche Untersuchung und eine Gespräch mit dem Anästhesisten. Hat den ganzen Vormittag gedauert, aber irgendwann muss man ja ohnehin mal zu einem Gesundheischeck und dieser kostet keine Praxisgebühr ;-) Außerdem haben die Ärzte vergleichsweise viel Zeit und sind richtig freundlich, sie wollen ja auch was von mir. Der Anästhesist war merkwürdig. Erst lobt er mich über den grünen Klee, dass ich das mache, dann schildert er sehr plastisch, wie das war, als er sich ohne (!) Vollnarkose Knochenmark entnehmen ließ. Keine Ahnung, warum er das überhaupt ausprobiert hat, aber ich fand’s ein bisschen riskant von ihm. Ich hätte ja nach der Schilderung auch aufstehen und gehen können.*

Ich hatte mir die OP aber vorher schon bei Youtube angesehen. Mehrmals, weil es auf den ersten Blick doch unschön aussieht wenn sie die Nadeln in den Beckenknochen reindrehen. Beim 2x und 3x Sehen ist dann der erste Schreck überwunden, und man sieht, dass es keine große Sache ist. Was mir allerdings nicht klar war war, dass sie das zu zweit machen würden, und jede/jeder Arzt 3x zusticht während ich in Vollnarkose auf dem Bauch liege. Aber je kürzer die Vollnarkose, desto gesünder und sie müssen das Zeug mit flottem Schwung rausziehen, weil sich sonst die Knochenmarkszellen nicht lösen.

Warten: Der für mich „schwierigste“ Teil. Nicht, weil ich damit rechnete, nicht gesund genug zu sein. Sondern weil nach Bestätigung meines Gesundheitszustands der Empfänger Chemotherapie bekommt, die sein Immunsystem lahm legt. Wenn ich, was ich ja jederzeit könnte, von der Spende zurück trete überlebt der Empfänger ab diesem Zeitpunkt die Sache wahrscheinlich nicht. Nicht, dass ich jemals daran gedacht hätte, es vielleicht doch nicht zu machen. Aber allein der Gedanke, in so unmittelbarer Weise das Leben eines anderen Menschen in der Hand zu haben war mir unheimlich. Ich will sowas nicht. (Vielleicht ist Höhenangst/Vertigo ein passender Vergleich. Man will natürlich nicht runterfallen, aber allein die Höhe verursacht Schwindel.)

OP: Am 28.09. um 7 in der Klinik, so gegen 9 dann im OP. ich hab mich noch darüber amüsiert, dass die Narkoseärzte mit mir plaudern, um mich abzulenken, danach bin ich so gegen Mittag wieder aufgewacht. Gut ausgeschlafen, gut gelaunt. Ein paar Leute angerufen um mitzuteilen, dass ich’s überlebt habe.

Schmerzen:  Minimal. Rücken/Hüfte tat in etwa so weh, wie wenn man im Winter mal ordentlich auf den Hintern fällt. 1.5 Tage war ich beim Laufen ein wenig steif in der Hüfte, am Freitag waren mir die Leute in der Fußgängerzone schon wieder zu langsam. Unangenehmes Kratzen im Hals, vom Intubieren. War am Wochenende dann auch weg. Kreislaufschwäche war am Donnerstag noch auffällig, da hab ich nach 1.5 Stunden rumstehen schon gemerkt, dass ich mich mal wieder hinsetzen sollte. 1.5 Wochen später waren allerdings sowohl 1 Stunde Schwimmen als auch 4 Stunden Wandern ohne Pause wieder problemlos möglich.

Doof war außerdem noch, dass es im Krankenhaus für mich kein vegetarisches Mittagessen gab. Offiziell war ich ja ambulant da, das Essen haben mir die Schwestern freundlicherweise besorgt, aber auch das zweite Tablett war nicht, wie erbeten, ein vegetarisches Gericht. Und die Dame von der Spenderdatei ist mir nicht schnell genug wieder gegangen, ich wollte eigentlich mein Buch weiterlesen und keine triviale Unterhaltung mit jemandem führen, den/die ich nie wieder sehen werde. Ich erwähne das nur, damit klar wird, wie geringfügig meine Beschwerden insgesamt waren.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen einer Knochenmarkspende und einer ordentlichen Erkältung mit Gliederschmerzen (wie sie viele ja mindestens 1x pro Jahr haben) würde ich die Spende nehmen.

Kontakt: Hinterher hat man mir dann erzählt, dass der Empfänger jünger ist als ich und im europäischen Ausland lebt. Dort, wo er registriert ist ist aber auch nach längerem Briefkontakt kein persönliches Treffen möglich, und der Briefverkehr wird eben deshalb von der Spenderdatei kontrolliert und gegebenenfalls zensiert. Ist mir recht. Ich will schon wissen, ob’s geholfen hat (wozu ich mein möglichstes getan habe, der Rest ist Glückssache) aber damit ist’s dann auch gut.

* Nachtrag: Ich vergaß zu erwähnen, es geht auch ohne Vollnarkose: Man kann sich auch was spritzen lassen, wodurch die Stammzellen ins Blut treten und sich dann drei Tage später für 3-5 Stunden an eine Art Dialyse-Apparat anschließen lassen. Ohne Vollnarkose, dafür macht das Medikament wohl Gliederschmerzen. Entscheidender für mich war aber, dass die Ärzte des Empfängers die Zellen lieber frisch gezapft wollten und es theoretisch möglich ist, dass bei der Dialyse-Variante nicht genügend Zellen zusammen kommen und dann doch noch eine OP nötig wird.

Written by markusnagler

Oktober 23, 2011 at 8:25 pm

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This is why we can’t have nice things

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Be apprised, though, that the Maine Lobster Festival’s democratization of lobster comes with all the massed inconvenience and aesthetic compromise of real democracy.

To be a tourist … is to spoil, by way of sheer onthology, the very unspoiltness you are there to experience. It is to impose yourself on places that in all non-economic ways would be better, realer without you.

David Foster Wallace, Consider the Lobster

Das gilt auch für das Musee d’Orsay. [1] Im Musee d’Orsay trifft ein demokratisches Massenpublikum auf Kunst, die ganz explizit für wenige gemacht ist[2], deren Reiz in ihrer Einzigartigkeit, Nicht-Reproduzierbarkeit liegt[3]. Das ist großartig, ein Triumph, dass diese Werke jederman zur Verfügung stehen, und dass Menschen aller Schichten dorthin kommen um sie anzusehen. (Ich sage das nicht nur so dahin, mich freut das wirklich.)

Gleichzeitig und untrennbar damit verbunden wird dadurch die Erfahrung für alle schlechter.  Was für die politische Demokratie nicht gilt. Zwar ist sie anstrengend und manchmal lästig [4], aber „schlechter“ wir die Erfahrung nur für diejenigen, die anderenfalls ihre Ziele/Bedürfnisse leichter hätten befriedigen können.

Ich merke gerade, dass ich im Demokratiebeispiel davon ausgehe, zu den Gewinnern zu gehören, bei der Kunst zu den Verlierern. Interessant. Trotzdem, der Punkt ist, dass im Musee d’Orsay _alle_ schlechter gestellt sind. Das ist ein echtes Allmende-Problem, politische Demokratie nicht. Vielmehr ist die Demokratie ein möglicher Rahmen zur Lösung des Allmende-Problems.

Die in diesem Fall darin besteht, aus öffentlichen Mitteln Werke anzukaufen und _im Museum_ die Möglichkeit anzubieten, sich Werke in hoher Qualität auf Leinwand reproduzieren zu lassen. Wofür sie im Musee d’Orsay sogar einen Verkaufs-/Auswahlcomputer mit Touchscreen haben.

,,Ich hab immer gesagt: Sozialismus heißt Austern für alle.“ Daniel Cohn Bendit, 2010

[1] Der erste Satz, der zweite ist nur als Kontext hier zitiert. Es gibt für Museen kein „real“ unabhängig von der Öffentlichkeit. Und, ohne mich auf Debatten über meine Arroganz oder vermeintliche besondere Rechte einzulassen, es nervt schlicht und einfach ein Museum mit Leuten zu teilen, die keinen Sinn für die Sichtlinien anderer Besucher haben. [1.1]

[1.1] Ich kann nicht sagen ob, utilitaristisch betrachtet der Gesamtnutzen höher ist, wenn jemand großartige Kunst neu entdeckt oder ich mich an einem Werk erfreue. Ich spreche mit größerer Wahrscheinlichkeit darüber und man könnte wohl sagen, für den Massentourist würde ein Poster auch genügen. (Nicht, dass ich ein professionell nachgemaltes Bild erkennen würde.) Aber das ist alles Quatsch, letztlich berührt Kunst in irgendeiner Weise unser Innerstes, ist eben unvergleichlich.[1.2]

[1.2] Dazu das nicht verifizierbare Zitat von Kafka ~ ,,Was weißt du von meinem Leid und ich von deinem? Wenn ich weinte und mich vor dir nieder würfe und dir erzählte von den Qualen der Hölle, was wüsstest du dann von ihr, außer, dass sie heiß und schrecklich ist? Deshalb sollte jeder seinen Mitmenschen begegnen, als stünde er vor den Toren der Hölle.´´[1.3]

[1.3] Falls jemand eine Quellenangabe hat, bitte melden. Danke!

[2] Die Museumsidee ist natürlich keine neue Erfindung. Aber ich behaupte einfach mal, den heutigen Massentourismus hat man sich vor 100 Jahren nicht vorgestellt.  Andererseits, die Weltausstellung 1926 hatte 15 Millionen Besucher. Das Musee d’Orsay hat pro Jahr 2.2 Millionen.

[3] Natürlich sind die Seerosen im Musee d’Orangerie noch einzigartiger, weil es davon (meines Wissens) auch keine gut gemachte Kopie in Originalgröße gibt. Es gibt nur (2x) einen ovalen Raum in dem diese meterlangen von Monet gemalten Seerosenbilder hängen. Aber im Musee d‘ Orangerie ist weitaus weniger los.

[4] „… wer sicher ist, daß er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, …“  Max Weber, Politik als Beruf, 1919

Written by markusnagler

September 4, 2011 at 11:21 pm

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Paris, Aug 2011

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Kultur:

  • Musee d’Orsay und Centre Pompidou vermeiden, wenn man nicht auf die dort ausgestellte Kunst steht. Viel zu viele Touris. Musee d’Orsay ist besonders schlimm. Andererseits haben sie da Vallottons „Le ballon“ (aktuell aber nicht zu sehen) http://deyoung.famsf.org/f-lix-vallotton-ball
  • Musee Gustave Moreau kann man besser durch die Villa Stuck in München abdecken. außerdem haben die als Exotenmuseum beschränktere Öffnungszeiten (Ich kam erst beim dritten Anlauf rein).
  • Musee Rodin, Musee d’Orangerie und Musee d’art moderne de ville de Paris (MAM) kann ich bedenkenlos empfehlen. Alle drei sind nicht zu überlaufen.
  • Musee Rodin und Musee d’Orangerie sind klein/stressfrei und in 1.5 Stunden zu machen.
  • Im Musee Rodin kann man auch nur den Garten mit den wichtigsten Großskulpturen wählen (1€). Perfekt bei unterschiedlich starker Kunstbegeisterung.
    Sie schließen allerdings schon um 17.40 und zwar sehr energisch. Ich durfte gerade eben so noch zwei Kunstbücher kaufen. … Andererseits sah man mir vermutlich an, dass ich nicht im Begriff war, 6000€ für einen Bronzeguss des Denkers hinzublättern.
  • Neben dem MAM werden im Palais de Tokyo noch ganz aktuelle Sachen ausgestellt. Die Dauerausstellung im MAM ist umsonst. Die Salate sind, anders als der Reiseführer behauptet, nur Mittelmaß.

Sport/Schwimmen:

  • Piscine des Amiraux war architektonisch ein Traum, sauber und nicht überfüllt. Piscine Drigny war der pure Horror, ich bin eine Bahn geschwommen und dann wieder raus: Überfüllt (145 Gäste im 25×12 Meter Becken), nur vier Toiletten, drei ohne Klopapier, Haarbüschel und Dreck auf dem Boden der insgesamt 5 Umkleidekabinen.
  • Man zieht in Paris (Frankreich?) im Eingangsbereich die Schuhe aus, läuft dann zur Kabine etc. Vor allem beim Rausgehen vergisst man das gern.
  • Man braucht unbedingt eine Badehaube, auch wenn man wenig Haare hat.
  • Es gibt unter Umständen keine Schließfächer: Man zieht die Tür der Umkleidekabine hinter sich zu und wenn man gehen möchte lässt man sich vom Bademeister wieder aufsperren. Heißt, man stellt sich entspannt vor die Tür seiner Wahl und der Bademeister kommt dann ebenso entspannt früher oder später vorbei. Nichts für Ungeduldige.
  • Die Duschen sind nicht geschlechtergetrennt. Man zieht sich also nicht vollständig aus, um sich zu waschen!!!
  • Es war ein Heidenspass, das obige herauszufinden, ohne Französisch zu sprechen. In den Schwimmbädern der Peripherie ist man ja auch nicht unbedingt auf Touristen eingestellt.

Essen:

  • Paris hat fürs Essen Mondpreise und ich bin in Großstädten immer unfähig, mir was Gutes zu suchen. (Auf dem Land geht das, da nimmt man einfach ein Lokal, das Gäste hat und nicht schäbig aussieht.) Dementsprechend ist Selbstversorgung mit Baguette, Salami und lecker Käse aus dem Supermarkt eine echte Alternative. (Bin ich aber auch erst am letzten Tag drauf gekommen.)
  • Vegetarisch ist schwer zu bekommen und vor allem muss man aufpassen, nicht das Thunfischsandwich zu erwischen: Das liegt da, neben dem Schinkensandwich und dem Käsesandwich, wo bei uns das vegetarische liegt. Ist vielleicht leichter, wenn man die Sprache spricht. Aber hierzulande ist das Sandwich, aus dem nur Ei und Tomate rausschauen das vegetarische, Thunfisch gibt’s meistens nicht. In Paris haben sie meist zwei Thunfischvarianten im Angebot.
  • Die günstigsten Sandwiches hab ich unmittelbar nördlich des Centre Pompidou gegessen. Go figure.
  • Falafel ist auch ganz schwierig. Man wundert sich, wozu die ihre Kolonien hatten, und was die ehemaligen Algerier und Marokkaner den ganzen Tag so machen.  Döner gibt’s an jeder Ecke, Pizza auch fast. Immerhin, im jüdischen Viertel Marais, in der Rue de Rosiers gibt’s Falafel, allerdings für 5€ das Stück und auch nicht schmackhafter als in der Heugasse in Heidelberg.

Written by markusnagler

September 2, 2011 at 9:44 am

Veröffentlicht in International, Uncategorized

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